Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 war das Elbufer in Aussig das pulsierende Lebenszentrum der Stadt, an dem sich Industrie, Handel und urbanes Leben trafen. Als einer der wichtigsten Binnenhäfen der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und späteren Tschechoslowakei war die Uferzone von einer enormen Dynamik geprägt. Entlang des Flusses erstreckten sich ausgedehnte Hafenanlagen, Lagerhäuser und Eisenbahngleise, auf denen die Güter der mächtigen Aussiger Industrie – allen voran der Chemie- und Lebensmittelwerke – verschifft wurden. Trotz des starken industriellen Charakters bot das Elbufer mit seinen Brücken, insbesondere der alten Kaiser-Franz-Josef-Brücke, ein imposantes Stadtpanorama, das von regem Schiffsverkehr und der Kulisse des Schreckensteins (Střekov) dominiert wurde.

Die Verkehrsachse entlang des Flusses, die heutige Přístavní-Straße, war damals ein lebendiger und dicht bebauter Teil der Stadt. Im Gegensatz zur heutigen Situation, in der das Nábřeží (Ufer) primär als vierspurige Transitstraße dient, war die Vorkriegs-Uferstraße von historischen Gebäuden, Gasthäusern und städtischem Leben gesäumt. Flussaufwärts ging sie in die Teplitzer Straße über und verband das Stadtzentrum direkt mit den Hafenvierteln. Dieses gesamte historische Ensemble am Elbufer wurde jedoch im April 1945 durch die verheerenden alliierten Luftangriffe fast vollständig zerstört. Die Bomben vernichteten nicht nur die Hafen- und Bahnanlagen, sondern radierten auch die alten Häuserzeilen am Ufer aus, was das Gesicht der Stadt nach 1945 für immer veränderte.






